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Im Carbonrausch mit dem LEKI Speedstick

Seit vergangenem Freitag bin ich wieder in den Wäldern Oberfrankens unterwegs und verschrecke das Wild – und so manchen Spaziergänger, wenn ich mich zwar ebenfalls gehend aber mit doppelter Geschwindigkeit „vorbeiraketiere“. Einen entscheidenden Anteil an der „rasanten“ Walking-Action haben neben meinem unbändigen Willen, schon sehr bald wieder auf der sportlichen Höhe meines Daseins zurück zu sein, nicht zuletzt meine Trekkingstöcke. Und seit kurzem besitze ich hiervon ein zweites Paar: den LEKI Speedstick.

Der Name ist Programm.

Der Name ist Programm.

Schon seit einiger Zeit stand dieses Modell unter meiner Beobachtung. Doch lange habe ich gezögert, zumal bis zum ursprünglich angedachten Transalpine Run, dessen Jubiläumsausgabe in einem Monat nun ohne mich, dafür aber mit „triathlon dog“ Demeter stattfinden wird, auch keine akute Notwendigkeit für einen zweiten, weniger speziellen und leichteren Trekkingstock bestand. Mit meiner Operation an der linken Großzehe und der anschließend notwendigen Entlastung beim Wiedereinstieg ins Training – Aquajogging ist mit der Wunde nämlich nicht möglich – kam das Thema bei mir allerdings wieder auf. Dann stellte sich vor allem die eine, alles entscheidende Frage im Zusammenhang mit der Stockauswahl: Fixstöcke, ja oder nein?

Da ich in Antholz die Erfahrung gemacht habe, dass ich meine Aergonlite II Carbon nicht einmal dann zusammenschiebe, wenn ich diese nicht einsetze und mich die Stöcke auch so – vom Gewicht einmal abgesehen – kaum stören, sind Fixstöcke für mich kein Problem oder anders ausgedrückt: Faltstöcke sind kein Muss. Außerdem stand fest, dass es aufgrund der verfügbaren Stocklängen und der erfahrungsgemäß grundsoliden Verarbeitung wohl nur Stöcke von LEKI in die engere Auswahl schaffen würden, wodurch sich umgehend der ebenfalls sehr leichte und weit verbreitete Ultra Distance Trekking Pole von Black Diamond disqualifizierte. Der LEKI Micro Stick Carbon kam aufgrund des Mehrgewichts und der derzeit mangelhaften Verfügbarkeit nicht in Frage. Es blieb also der mir verblüffend ähnelnde Speedstick: schlank, leicht und schnell. 😉

Carbon auf ganzer Länge: leicht, steif, schnell.

Carbon auf ganzer Länge – wofür man einen saftigen Preis bezahlen muss.

Das geringe Gewicht ist neben der von LEKI gewohnt gelungenen Ergonomie des Griffs das Hauptargument und die herausstechende Eigenschaft des Speedstick. Angegeben sind 130 Gramm pro Stock bei einer Länge von 1,20 Meter. Die Realität: 128 Gramm bei einer Länge von 1,25 Meter. Sensationell! Carbon von oben bis unten ist Trumpf und nebenbei auch noch etwas fürs Auge. Der Stock schwingt materialbedingt zügig und ohne großen Aufwand nach vorn, ist äußerst steif und überträgt beim Abdrücken nahezu die vollständige eingesetzte Kraft punktuell über die Stockspitze auf den Untergrund.

Beim Griff geht LEKI auch bei diesem Leichtgewicht keine Kompromisse ein.

Beim Griff geht LEKI auch bei diesem Leichtgewicht keine Kompromisse ein.

Die Stockspitze ist übrigens nicht wechselbar. In puncto Verschleiß dürfte das auch kaum von Belang sein, wenn man diesen Trailstock entsprechend dieser Bezeichnung behandelt und nicht dauerhaft auf asphaltierten Wegen strapaziert. Aber auch dann verkraften die Carbidspitzen – immerhin härter als Korund und fast so hart wie Diamant – wohl einige Kilometer. Nachteilig ist die Tatsache, dass es keine Alternativspitzen für den Speedstick gibt. Die verwendete Universalspitze bietet bei mäßiger Steigung und griffigem Boden zwar ausreichend Halt, bei größerer Steilheit und steinigem Untergrund habe ich hingegen die gewinkelte Spitze meiner Aergonlite II Carbon Expeditionsstöcke bereits vermisst. Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, denn die Zielgruppe, die der Speedstick bedienen soll, bewegt sich in aller Regel nicht ausschließlich vertikal aufwärts und vor allem zumeist zügiger als beim Bergsteigen, wo es maßgeblich auf Präzision beim Stocksetzen ankommt.

Die leider nicht gegen alternative Varianten auswechselbare Carbidspitze.

Die leider nicht gegen alternative Varianten auswechselbare Carbidspitze.

Positiv hervorzuheben ist wie bereits geschrieben der ergonomische Griff, der trotz der Leichtbauweise des Speedstick meinen Expeditionsstöcken in keiner Weise nachsteht. Einzig das Material der Schlaufe könnte perspektivisch ein Problem darstellen, da es so leicht und fein ist, dass man schon beim Einstellen der Schlaufenöffnung befürchtet, diese zerreißen zu können. Dem ist zwar nicht so, aber hier wären die wenigen Gramm, die mein Exemplar des Speedstick gegenüber der Werksangabe im Haben ist, zumindest für ein besseres Gefühl im Umgang mit der Schlaufe gut angelegt.

Die sehr dünne Schlaufe kann auf einfachste Art und Weise angepasst werden.

Die sehr dünne Schlaufe kann auf einfachste Art und Weise angepasst werden.

Fazit: Der Speedstick kann mich nach den ersten etwa 50 Kilometern in den vergangenen Tagen weitgehend überzeugen. Das, was die Produktbeschreibung verspricht, kann der Stock auch einhalten oder sogar übertreffen. Bezüglich Haltbarkeit kann ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch keine Aussage treffen. Dass LEKI aber wie gewohnt eine lebenslange Garantie auf den Stock gewährt, stimmt diesbezüglich positiv. Könnte man den Speedstick auch mit einer gewinkelten Spitze für alpine Herausforderungen ausstatten, wäre er wohl der für mich perfekte Stock. So ist er der für mich am besten Geeignete aller derzeit verfügbaren Stöcke dieser Kategorie.

Anmerkung: Mein Exemplar des Speedstick wurde mir nicht vom Hersteller zur Verfügung gestellt, sondern eigenständig erworben. – In diesem Zusammenhang geht mein Dank an meinen Partner Sportics für die fortwährende Unterstützung auch in sportlich schwierigen Zeiten!
Update: Im Frühjahr 2015 brach ein Stock ohne Vorankündigung bei meinem Trainingsaufenthalt im Antholzer Tal. Nach langem Hin und Her (ca. 5 Wochen) wurde mir der volle Kaufpreis nach Materialprüfung durch LEKI durch den Händler gutgeschrieben. Kundenorientiert geht definitiv anders, aber immerhin wurde der Materialfehler anerkannt. Leider konnte der Stock nicht mehr nachgeliefert werden.

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