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Wenn die Sonne wieder scheint – ein Kurztrip über die Alpen (Teil 1)

Dieser Sommer ließ zumindest hier in Bayreuth in Sachen Wetter und insbesondere Sonnenschein deutlich zu wünschen übrig. Vor diesem Hintergrund erscheint es schon fast logisch, dass mein Körper auch nicht mitspielen wollte. – So auch wieder für acht Tage seit vorletztem Dienstag: Seither schmerzte ein Sehnenansatz an meiner linken Fußaußenkante und machte sämtliches Lauftraining unmöglich. Aber anstatt mich wieder einmal in allen Farben des Regenbogens zu ärgern, freute ich mich auf das aus heutiger Sicht zurückliegende Wochenende.

Von Freitagnachmittag bis einschließlich Montag fuhr ich zusammen mit meinem Vater nach Südtirol, um gemeinsam einige Klettersteige zu begehen und am Samstag bei der finalen Etappe des Transalpine Runs (TAR), bei dem ich ursprünglich teilnehmen wollte und auch schon gemeldet war, an der Strecke sowie am Abend dabei zu sein.

Mein Vater auf dem Weg von der Auronzohütte (2320 m) zur Dreizinnenhütte (2438 m)

Mein Vater auf dem Weg von der Auronzohütte (2320 m) zur Dreizinnenhütte (2438 m)

Am Samstag brachen wir morgens zeitig von unserer Unterkunft in Toblach aus auf zu den Drei Zinnen (2857 – 2999 m), um ab ca. 10:00 Uhr zum Anfeuern und Fotografieren an der Strecke vor der Dreizinnenhütte sein zu können. Unmittelbar neben den Zinnen konnten wir die Hütte bereits erblicken und auch unser zweites Tagesziel, den Toblinger Knoten (2617 m), den wir später über den anspruchsvollen Leiternsteig erklimmen sollten.

Die Dreizinnenhütte unterhalb des Toblinger Knotens, über den sich sanft eine kleine Wolke legt.

Die Dreizinnenhütte unterhalb des Toblinger Knotens, über den sich sanft eine kleine Wolke legt.

Auf dem Weg zur Hütte war die Streckenführung unschwer zu erkennen – der Veranstalter beherrscht ganz offensichtlich die Streckenmarkierung. Das bestätigte uns am Abend auch Demeter (@TriathlonDog), der sich sonst ja ganz gern mal verläuft.

Die perfekt gesetzte Wegmarkierung ließ schon erahnen, was wenige Minuten später hier „vorbeirollen“ sollte.

Die perfekt gesetzte Wegmarkierung ließ schon erahnen, was wenige Minuten später hier „vorbeirollen“ sollte.

Am Streckenrand trafen wir auf zwei professionelle Fotografen, die den TAR-Zirkus schon seit einer Woche begleiteten. Wenige Minuten später kam auch schon der leider inzwischen allein laufende Schwede, der zusammen mit seinem Partner bis zu dessen Ausscheiden die Gesamtwertung der Zweierteams deutlich anführte, den Anstieg hochgeschossen. Der Typ hat ein Pfund drauf!

Die Dreizinnenhütte ist DER Touristenmagnet.

Die Dreizinnenhütte ist DER Touristenmagnet.

Die späteren Gesamtsieger vom Team Salomon Deutschland folgten kurz darauf, wobei Stephan Hugenschmidt einige hundert Meter vor seinem Teamkollegen am höchsten Punkt der Etappe ankam. Andere Teams hingegen liefen auch als solches und blieben zusammen, schoben sich gegenseitig mit der Hand im Kreuz des Partners den Berg hoch.

Mit diesem Hintergrund quält man sich gern über die eigenen Grenzen hinaus.

Mit diesem Hintergrund quält man sich gern über die eigenen Grenzen hinaus.

Auch bezüglich der ausgestrahlten Anstrengung variierte die Körpersprache der Läufer von „kurz vorm Exitus“ bis hin zu scheinbar müheloser Leichtigkeit – zu diesem Zeitpunkt hatten sie etwa 265 Kilometern in den Beinen ab Start in Ruhpolding.

Who’s this guy? – It’s Seb!

Who’s this guy? – It’s Seb!

Unter den Teilnehmern der letzten Etappe erspähte ich dann auch Sebastian Chaigneau – Hardrock 100 Champion 2013 –, der bestens gelaunt und für ein kurzweiliges Gespräch zu haben war. „Seb“, wie ihn alle in Läuferkreisen kurz nennen, verweilte anschließend oben vor der Hütte, wo unter anderem auch „Gripmaster“ Stephan Repke mit seiner Kamera umherwirbelte und filmte.

Seb had good reasons to practice some „iPhone Yoga“ in front of Tri Cime di Lavaredo – the photo he took was absolutely stunning!

Seb had good reasons to practice some „iPhone Yoga“ in front of Tre Cime di Lavaredo – the photo he took was absolutely stunning!

Plötzlich tauchten Demeter und Tom vor den Zinnen auf. In diesem Moment habe ich mich einfach nur für die beiden gefreut, dass sie nach den gesundheitlichen Problemen von Demeter und dem „Dauertrüb“ der letzten Tage einen sonnengefluteten Abschlusstag vor einer so spektakulären Kulisse gewährt bekamen.

Toms Blicke schweiften in der Landschaft umher – was es nicht leichter machte, ein gutes Foto zu schießen.

Toms Blicke schweiften in der Landschaft umher – was es nicht leichter machte, ein gutes Foto zu schießen.

Demeter ist der ohne Übertreibung größte Kämpfer, den ich kenne. – Respekt vor deinem Durchhaltewillen trotz der Magen-Darm-Probleme ab der dritten Etappe!

Demeter ist der ohne Übertreibung größte Kämpfer, den ich kenne. – Respekt vor deinem Durchhaltewillen trotz der Magen-Darm-Probleme ab der dritten Etappe!

Ich lief das letzte Stück des Anstiegs schnell hinauf, um vom folgenden Abstieg noch einige Bilder machen und den beiden noch ein paar anfeuernde Worte mit auf den Weg hinab ins Ziel geben zu können. – Und weg waren sie auch schon.

Demeter und Tom geben auf dem letzten Downhill nach Sexten noch mal richtig Stoff.

Demeter und Tom geben auf dem letzten Downhill nach Sexten noch mal richtig Stoff.

Daraufhin verabschiedete ich mich noch schnell von Seb und ging mit meinem Vater hinüber zum Toblinger Knoten, um den kriegshistorischen und anspruchsvollen Leiternsteig in Angriff zu nehmen. Wie so oft ist gleich der Einstieg die erste größere Herausforderung. Und das ist auch sinnvoll, erhält man doch auf diese Weise sofort einen Eindruck davon, was noch auf einen zukommt. An der Schlüsselstelle suchte ich dann auch vergeblich einen zweiten Tritt, so dass ich mich mit reiner Armkraft am Stahlseil hochziehen musste, was glücklicherweise problemlos funktionierte. Der Rest des Klettersteigs ging zügig über die Bühne und der Ausblick vom Knoten mit seinem großen Kreuz und tibetischen Gebetsfähnchen entlohnte für die Mühen. Der Abstieg über die flachere Seite des Knotens war dann nur noch Formsache und wenig spektakulär.

Einer der wenigen Tritte ohne Leiter am Leiternsteig (Bild: Martin Briselat)

Einer der wenigen Tritte ohne Leiter am Leiternsteig (Bild: Martin Briselat)

Am Abend fuhren wir nach Sexten, um bei der Abschlussfeier des Transalpine Run dabei zu sein und Demeter und Tom noch einmal zu sehen. Tom gönnte sich ein Bier – was sich nach den körperlichen Strapazen auch leicht bemerkbar machte –, während Demeter noch immer mit seiner Magen-Darm-Verstimmung zu kämpfen hatte und sich einen Moment länger ausruhte. Wenig später kam aber auch er, um zusammen mit Tom das mehr als verdiente Finisher-Shirt in Empfang zu nehmen. Mit einem elften Rang in der Männerwertung haben die beiden in Anbetracht der gesundheitlichen Umstände von Demeter eine bravuröse Leistung abgeliefert: über 280 Kilometer in einem achttägigen Kampf gegen den eigenen Körper und bei in diesem Jahr miserablen Wetterbedingungen. Umso schöner war, dass die abschließende Etappe bei strahlendem Sonnenschein vor der beeindruckendsten Kulisse des TAR stattfinden konnte. Und auch für mich kam die Sonne wieder zum Vorschein, legten sich doch die Schmerzen am Fuß im Laufe des Tages.

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