Kommentare 2

Ultra Trail Lamer Winkel – Der Nicht-König vom Bayerwald

Es ist wie verhext. 2013: vom Fahrrad geholt – 2014: (vermutlich) Zeh angeschlagen, Entzündung, OP – 2015: 16 Wochen reibungslose Trainingsvorbereitung. …und dann liege ich nur sechs Tage vor dem Wettkampf mit Fieber flach. Was soll das eigentlich?! Da trainiert man bis zu 14 Stunden in der Woche, um wieder keinen Abschluss zu finden. Ganz ehrlich: Ich habe gerade mental arg zu kämpfen, auch wenn ich meinen Sport auch ohne Wettkämpfe liebe und ja glücklicherweise auch noch meine privaten Laufprojekte habe. Wenn ich aber bei nur zwei oder drei Wettkampfformaten im Jahr antrete, dann möchte ich gern liefern – in erster Linie ganz egoistisch für mich, aber auch für meine Partner und Sponsoren.

Beim Ultra Trail Lamer Winkel war es also wieder nichts mit dem Abliefern. Doch ich bin froh, zumindest Auszüge dieses in jeder Hinsicht überragenden Events – an einem auf dem ersten Blick recht unscheinbaren Ort – miterlebt zu haben. Allein für diese „Erlebnisfetzen“ hat sich die vierstündige Anreise, die ich zusammen mit meinem Vater und meinem Hund angetreten habe, gelohnt.

Immerhin am Start, wenn auch wohlwissend, dass ich nicht das Ziel erreichen würde.

Immerhin am Start, wenn auch wohlwissend, dass ich nicht das Ziel erreichen würde (Bild: Martin Briselat).

Letztlich setzte meine Vernunft dem Erleben aber klare Grenzen, so dass ich nach 2 Stunden und 48 Minuten sowie 24,6 Kilometern und +1525/-640 Höhenmetern des Laufens mit stark angezogener Handbremse über wunderschöne, technisch äußerst anspruchsvolle Trails des Goldsteigs, die sich vor Events in den Alpen absolut nicht zu verstecken haben, am Verpflegungspunkt 2 auf dem Großen Arber ausstieg und zusammen mit meinem Vater zunächst per Gondel und dann im beheizten Auto zum Ziel in Lam weiterfuhr. Währenddessen wurde es draußen immer ungemütlicher (Regen, sogar kurzzeitig leichter Hagel), was mich in meinem Entschluss bestätigte. Schließlich wollte ich keinen Rückfall riskieren. …zumal selbst die zurückgelegte Distanz für meinen körperlichen Zustand (= eigentlich immer noch krank mit dichten Nebenhöhlen) ja ohnehin nur schwer als „vernünftig“ anzusehen war.

Hendrik Auf'mkolk (trailblog.de) mit Freundin Lea an der VP 2 (Bild: Martin Briselat).

Hendrik Auf’mkolk (trailblog.de) mit Freundin Lea an der VP 2 (Bild: Martin Briselat).

Am Marktplatz in Lam konnte ich dann immerhin behaupten, als erster Teilnehmer am, aber nicht im Ziel zu sein. Zumindest hatte ich so die Möglichkeit, den beiden talentierten Nachwuchsläufern Matthias Baur und Lukas Sörgel bei ihrem Triumph in erster Reihe zuzuschauen.

Die Könige vom Bayerwald am Marktplatz in Lam

Die Könige vom Bayerwald am Marktplatz in Lam (Bild: Martin Briselat)

Dass nun noch Markus Mingo aus dem fünfköpfigen Orga-Team das Podium komplettierte, freute mich umso mehr. …wenn ich natürlich selbst im gesunden Zustand gern hier mitgemischt hätte, was ich nun (hoffentlich) auf 2016 verschieben muss. Beim erneuten Run auf die Startplätze werde ich jedenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit dabei sein, denn der UTLW ist in puncto Strecke und Organisation schon in seiner Erstauflage absolut vorbildlich dahergekommen.

Nachfolgend noch einige Schönwettereindrücke vom Sonntag (31. Mai) – viel Spaß beim Anschauen!

Mit meinen beiden Begleitern unterwegs auf der Osserwiese

Mit meinen beiden Begleitern unterwegs auf der Osserwiese

Mein Hund auf der Osserwiese – im Hintergrund der Kleine Osser

Mein Hund auf der Osserwiese – im Hintergrund der Kleine Osser

Mein Vater auf der Osserwiese mit dem Großen Arber, der am Vortag nicht zu sehen gewesen wäre, im Hintergrund.

Mein Vater auf der Osserwiese mit dem Großen Arber, der am Vortag nicht zu sehen gewesen wäre, im Hintergrund.

Gedenktafel auf dem Kleinen Osser

Gedenktafel auf dem Kleinen Osser

Blick vom Großen Osser hinüber zum Zwercheck (hier kamen die Läufer des UTLW entlang).

Blick vom Großen Osser hinüber zum Zwercheck (hier kamen die Läufer des UTLW entlang).

Mein Hund und ich unter dem Gipfelkreuz des Großen Ossers – im Hintergrund der Kleine Osser (Bild: Martin Briselat).

Mein Hund und ich unter dem Gipfelkreuz des Großen Ossers – im Hintergrund der Kleine Osser (Bild: Martin Briselat).

PS: Absolut legendär ist jetzt schon der „fliegende Start“ beim UTLW. Wild losrennen kann man schließlich woanders…


Legendärer Start des UTLW in Arrach

2 Kommentare

  1. Wie schon auf FB geschrieben: Wirklich ärgerlich, aber irgendwann muss die Pechsträhne ja mal reißen! Vielleicht hilft’s auch, etwas weniger verkrampft an die Sache ranzugehen – lauf doch mal ein Rennen nur für dich und nicht für Platzierungen oder „Partner und Sponsoren“. Wie auch immer, schön dich wiedergesehen und deinen Vater kennengelernt zu haben!

    • Dominik

      Wenn du meinen Laufkollegen fragen würdest, mit dem ich einen Tag vor dem Grippeausbruch auf einer lockeren Runde in der Rhön unterwegs war, so würde er dir bestätigen, wie positiv und entspannt ich eingestellt war. Dass es mich wenige Stunden später so zerbröseln würde, konnte ja niemand erahnen. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht besser hätte eingestellt sein können. …an den aktuellen Selbstzweifeln und einfach einer gewissen „Ausgebranntheit“ aufgrund der dauerhaften Pechsträhne ändert das nun natürlich wenig, denn der UTLW 2015 ist Geschichte. Bis Tromsø sind ja zum Glück noch einige Wochen Zeit, um mich wiederfinden zu können – und dann natürlich in erster Linie für mich in Tromsø am Start zu stehen, auch wenn ich Begleitung seitens Polar haben werde. – PS: Ich habe mich ebenfalls sehr gefreut, dich und Lea mal wieder gesehen zu haben. …und noch so viele andere „Gleichverrückte“!

Schreibe eine Antwort