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Unterwegs im Herzen der Rieserferner Ahrn: Wenn Himmel und Erde im geologischen Schmelztiegel aufeinandertreffen (Teil III)

Als am Dienstagnachmittag erstmals die Wolken einigen, wenigen Sonnenstrahlen wichen und es zu regnen aufhörte, hielt mich nichts mehr ab: Auch wenn der Tag schon weit fortgeschritten war (16:30 Uhr), beschloss ich, in den Ampergarten und vielleicht sogar bis hinauf zur Rieserfernerhütte auf 2798 Metern über dem Meer aufzubrechen – mitten ins Herz der Rieserferner.

Am Dienstagnachmittag lockerten die Wolken zumindest etwas auf, auch wenn die Sichtweite im Ampergarten hinauf zur Rieserfernerhütte (2798 m üNN) weiterhin recht gering blieb. Auf dem Bild zu sehen: der Klammbach-Wasserfall, die Schwörzalm und der mächtige Magerstein (3273 m ü.NN).

Am Dienstagnachmittag lockerten die Wolken zumindest etwas auf, auch wenn die Sichtweite im Ampergarten hinauf zur Rieserfernerhütte (2798 m üNN) weiterhin recht gering blieb. Auf dem Bild zu sehen: der Klammbach-Wasserfall, die Schwörzalm und der mächtige Magerstein (3273 m ü.NN).

Den Ampergarten hatte ich schon bei meiner ersten Reise hierher im Mai 2014 äußerst lieb gewonnen. Der Kontrast von sattem Nadel- und Grasgrün auf der einen und schroffem, kargem Fels auf der anderen Seite sowie die plätschernden Schmelzwasserbäche sind ein Schauspiel, das einen sofort in seinen Bann zieht. Bei so viel Wohlbefinden für die Augen quält man seinen mit jedem Meter im Aufstieg müder werdenden Körper gern.
Schließlich folgt auf den letzten 300 Höhenmetern (von insgesamt etwa 1500 ab Talstation der Materialseilbahn auf 1310 m ü.NN) ein verblockter Steig mit einigen künstlich angelegten Stufen und Drahtseilsicherungen. Dann sieht man sie endlich, die Rieserfernerhütte.

1 Stunde und 13 Minuten nach dem Start an der Talstation der Materialseilbahn auf etwa 1310 m ü.NN traf ich bei der Rieserfernerhütte in luftigen 2798 m ü.NN ein. Im Hintergrund blickten der Magerstein (3273 m ü.NN) und der Grat hinüber zum Fernerköpfl (3249 m ü.NN) erhaben auf mich herab.

1 Stunde und 13 Minuten nach dem Start an der Talstation der Materialseilbahn auf etwa 1310 m ü.NN traf ich bei der Rieserfernerhütte in luftigen 2798 m ü.NN ein. Im Hintergrund blickten der Magerstein (3273 m ü.NN) und der Grat hinüber zum Fernerköpfl (3249 m ü.NN) erhaben auf mich herab.

Als ich dort nach nur einer Stunde und 13 Minuten (angegebene Gehzeit ab Talstation: ca. 4 Stunden) eintraf, lieferten die Wolken und Gipfel ein imposantes Schauspiel ab. Während die Schwarze Wand in den dichten Wolken verborgen blieb, zeigte der Magerstein hinter der Hütte sein ganzes Ausmaß.


Hüttenporträt: Die Rieserfernerhütte in Südtirol (ab 19.09.2015 noch acht Monate online abrufbar)

Die Rieserfernerhütte liegt unmittelbar neben dem (ehemaligen) Gletscherbecken und einem nur noch sehr kleinen Schmelzwassersee. Die Mondlandschaft spiegelt eindrücklich die Abgeschiedenheit vom Trubel im Tal wider. Hier oben ist das Geschehen im Tal und im Alltag ganz fern.
Die Hütte selbst war auch nicht überlaufen, der Hüttenwirt und seine Familie sehr sympathisch und entgegenkommend: So bot er mir spontan einen kostenlosen heißen Apfelsaft an, da es draußen ja doch ziemlich frisch gewesen sei. …womit er zweifelsohne Recht hatte. – Das Getränk verschob ich allerdings auf ein Wiedersehen in den nächsten Tagen und machte mich auf den Weg hinab ins Tal.
– Hüttenwirt Gottfried Leitgeb erzählte mir übrigens auf Nachfrage, dass der „Rekord“ zur Hütte ab dem Wanderparkplatz „Eggerhöfe“ am Ortsausgang von Antholz-Mittertal (1280 m ü.NN) bei einer Stunde und drei Minuten läge – vom Tauferer Ahrntal aus ab dem Wanderparkplatz bei Rein in Taufers (ca. 1600 m ü.NN) bei einer Stunde und einer Minute. Starke Zeiten! –

Die Schwarze Wand (3105 m ü.NN) hingegen zeigte sich nicht und blieb im Wolkenmeer über den Gletscherresten nur zu erahnen.

Die Schwarze Wand (3105 m ü.NN) hingegen zeigte sich nicht und blieb im Wolkenmeer über den Gletscherresten nur zu erahnen.

Am Donnerstagnachmittag, also am Tag nach meinem Abstecher zum Pragser Wildsee und seinem Seekofel, entschloss ich mich trotz etwas schwerer Beine den langen Aufstieg vom Ortszentrum von Antholz-Mittertal (Platz vor der Kirche; 1248 m ü.NN) hinauf zum „Drehkreuz“ der Rieserfernerhochtouren, dem Fernerköpfl (3249 m ü.NN) in Angriff zu nehmen: 2001 Höhenmeter auf nur 8,75 Kilometern Streckenlänge.
Im Gegensatz zu Dienstag war es am Donnerstag sehr warm, die Sonne brannte. Ich kam schnell ins Schwitzen und merkte, dass es unter diesen Vorbedingungen ziemlich hart werden würde, ähnlich schnell aufzusteigen wie am Dienstag – auch wenn ich dieses Mal keine Kamera im Rucksack mitschleppte. Ich versuchte daher schon früh, mir meine Kräfte gut einzuteilen und nicht zu überpacen. Schließlich wusste ich ja bereits, dass das Gelände mit jedem Höhenmeter anspruchsvoller und die Luft dünner sein würde.

Abschnitte auf dem Weg zum Gipfel
Kirche Antholz-Mittertal (1248 m ü.NN)
– Weggabelung Nr. 3/4 (ca. 1810 m ü.NN) 3,25 km +560 Hm 00:28:20 h
– Schutzhütte Ampergarten (ca. 2340 m ü.NN) 2,10 km +530 Hm 00:28:04 h
– Rieserfernerhütte (2798 m ü.NN) 1,40 km +460 Hm 00:24:24 h
– Fernerköpfl (3249 m ü.NN) 2,00 km +451 Hm 00:35:12 h
gesamt 8,75 km +2001 Hm 01:56:00 h

Die Rieserfernerhütte passierte ich nach einer Stunde und 20 Minuten, also etwa sieben Minuten langsamer als am Dienstag. Dafür war der Anlauf mit 6,75 Kilometern und 1550 Höhenmetern aber auch ein gutes Stück länger (+1,25 km und +60 Hm ) und die Leistung somit in etwa vergleichbar. Auf den finalen zwei Kilometern mit weiteren 451 Höhenmetern wurde das Gelände dann mit jedem Schritt verblockter. Der Weg wich losen Wegmarkierungen auf den großen Felsblöcken. Unterhalb der Gelttalspitze (3126 m ü.NN) wurden mir die Größenrelationen erst richtig bewusst und die Exponiertheit mehr und mehr spürbar. Für die letzten 100 Höhenmeter war dann auch mal etwas „Anpacken“ gefordert, denn die Felsen waren irgendwann einfach zu groß und das Gelände zu steil, um einfach von A nach B zu springen. – Dann war es nach exakt einer Stunde und 56 Minuten geschafft! Eine fastest-known-time?!

Nach 1 Stunde und 56 Minuten sowie 2001 in leichter Kraxelei endenden Höhenmetern ab der Kirche von Antholz-Mittertal (1248 m ü.NN): Zeit für ein Smartphone-Selfie. …und das Tagesziel erreicht: das Fernerköpfl (3249 m ü.NN) als die zentrale Kreuzung zwischen Schneebigem Nock (3358 m ü.NN) im Hintergrund links und dem Magerstein (3273 m ü.NN).

Nach 1 Stunde und 56 Minuten sowie 2001 in leichter Kraxelei endenden Höhenmetern ab der Kirche von Antholz-Mittertal (1248 m ü.NN): Zeit für ein Smartphone-Selfie. …und das Tagesziel erreicht: das Fernerköpfl (3249 m ü.NN) als die zentrale Kreuzung zwischen Schneebigem Nock (3358 m ü.NN) im Hintergrund links und dem Magerstein (3273 m ü.NN).

Das Gefühl war überwältigend, das Panorama ebenso. Wow!
Meine kurzzeitige Kraftlosigkeit wich sofort neuer Energie. …und das alkoholfreie Weizenbier im Anschluss auf der Rieserfernerhütte tat das Übrige dazu. Ich hatte am Dienstag schließlich versprochen, hier noch einmal einzukehren. Gesagt. Getan. Freitag kann kommen!

Alle Teile der Serie im Überblick:

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