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Eine Notiz

Der Winter steht vor der Tür und ich mit dem Rücken zur Wand. – Leider ist der Rücken wortwörtlich einer von drei Gründen, warum es beziehungsweise ich derzeit nicht läuft/laufe. Zentraler für meine derzeitige Lebensrealität ist aber vor allem das, was nichts mit dem Sport zu tun hat.

#1
Der harte Kern meiner Leserschaft hat es sicherlich schon mitbekommen, dass ich im Mai diesen Jahres meinen Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien angetreten habe. Was in den ersten Monaten noch recht entspannt war, ist im Moment vor allem viel Stress und Arbeit. Von null auf fünf Klassen hieß es für mich nach den Sommerferien. Auf der einen Seite: 131 Schülerinnen und Schüler, die einen soliden, interessanten Unterricht erwarten. Auf der anderen Seite: Ich, der für alle fünf Kurse Materialien entweder völlig neu entwickeln oder zumindest aus mir bislang nicht vorliegenden Quellen zusammensuchen und sinnvoll einbinden muss. In meinen Fächern (Chemie und Biologie) existieren keine „Workbooks“ oder eierlegende Wollmilchsau-Literatur, die mir diesen Teil erleichtern würde. Was ich vorfinde, ist ein fragmentiertes Durcheinander verschiedener Quellen. – Wer mich persönlich kennt, der weiß: In mir schlummert ein kleiner Perfektionist, der sich nur schwer mit den von einigen Ausbildern angeratenen „80%-Stunden zum Überleben“ zufrieden geben kann.
Und dann sind da natürlich auch noch die naturwissenschaftsexklusiven Unterrichtsbestandteile wie Experimente, die stets vor- und nachbereitet werden wollen. Kurzum: Das Verhältnis von Vorbereitungszeit und Unterrichtszeit ist bei mir noch nicht da angelangt, wo es für ein „dauerhaftes Überleben“ sein sollte. Und als Tüpfelchen auf dem „i“ gibt es die Verpflichtungen und Veranstaltungen am Studienseminar sowie acht bewertete Unterrichtsbesuche (inkl. den zugehörigen Entwürfen und Reflexionen) im ersten Schulhalbjahr 2015/2016 – insgesamt 16 bis zu den Examenslehrproben in ziemlich genau einem Jahr.

Klar, Stress ist ganz normal im „Referendariat“. Das sagen zumindest die meisten anderen Lehrer und auch die Ausbilder. Es kam auch nicht überraschend. – Aber deshalb macht es einen nicht weniger mürbe. Wenn ich unter der Woche nur fünf bis sechs Stunden pro Nacht schlafe und anstatt wie gewohnt jeden Tag nur noch drei- bis viermal pro Woche für maximal eine Stunde Sport treibe, dann trägt das trotz der meist erfüllenden Unterrichtszeit mit meinen Schülerinnen und Schülern und deren oftmals erfreulich positiven Rückmeldungen nicht unbedingt zu einem grundsätzlichen Wohlbefinden bei.

#2
Vor nun fast einer Woche hat es mich mit einer Nebenhöhlenentzündung flach gelegt. Wenig Schlaf macht einen anfällig für das, was in der Schüler- und Lehrerschaft gerade keucht und fleucht. Wie gewöhnlich erwischte es mich natürlich samstags. Da hat man schließlich frei und kann sich auch den Sonntag noch quälen, ohne wertvolle Arbeitstage zu vergeuden. …wobei: Aktuell habe ich ohnehin sechs bis sieben Arbeitstage in der Woche, um allen Anforderungen bestmöglich gerecht zu werden. Also auch egal.

#3
Als ich vor etwas mehr als zwei Wochen seit längerer Zeit mal wieder etwas Zeit fand, um zum Fuße meines geliebten Pferdskopfes zu fahren und mich läuferisch etwas am Wasserkuppenmassiv auszutoben, war zunächst meine Freude über die unerwartet gute Form (siehe Tweet) groß. Dumm nur, dass ich mich nach dem flotten Sprint beim Skyrace entschloss, noch eine Runde über Wasserkuppe und Abtsrodaer Kuppe zu drehen. An Letzterer erwischte es mich dann: eine vom Nebel angefeuchtete, abschüssige Steinplatte und ich völlig naiv laufend und ohne Halt mittendrauf. Das Positive: Ich konnte einen Sturz vermeiden. Das Negative: Meine Wirbelsäule wurde beim Abfangen des sich anbahnenden Sturzes nach hinten gebogen. Röntgenbefund und Orthopäde sagen glücklicherweise einerseits, dass alles regelrecht und meine Wirbelkörper, Bandscheiben und Dornfortsätze keinen Schaden genommen haben, andererseits habe ich auch nach 16 Tagen noch ziemlich starke Schmerzen und das sportive Laufen wäre aktuell wohl noch immer nicht wieder möglich. Immerhin stellt mein Cyclocrossrad eine Alternative dar, die ich vor der „Erkältung“ auch zweimal für kurze Ausfahrten bemüht habe. Derzeit liegt aber alles brach.

Das alles erklärt auch, warum es in letzter Zeit so ruhig auf allen Kanälen geworden ist. Mir fehlt einfach die nötige Zeit zum Schreiben und auch das, worüber es sich sportlich zu berichten lohnt. – Das ist die Lebensrealität meiner aktuellen Entwicklungsphase. Das gehört leider dazu, so sehr ich meinen Sport auch liebe.

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