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Im Langzeittest: Der VJ Sarva Amas

Tromsø Skyrace 2015 – für mich ein Tiefschlag nach halber Distanz, für Jonathan Albon, seines Zeichens OCR Weltmeister 2014 und 2015, der wohl größte Tag seiner bisherigen Karriere:

„[…] Jonathan shocked the Skyrunning community by beating the Ultra Skyrunning World Champion of the time into first by 17 minutes.“


Das offizielle Video zum Tromsø Skyrace 2015

Die Bedingungen am Wettkampftag waren alles Andere als ideal: Regen, Nebel, nasser Fels, überfrorene Schneefelder, Schlamm, hüfttiefe und eiskalte Schmelzwasserquerungen. Umso beeindruckender war es, in welcher Art und Weise dieser Jonathan Albon die versammelte Weltelite im Skyrunning hinter sich ließ. Klar, der Typ kann laufen, der Typ kann klettern. Aber solch eine Dominanz?!
Ohne seine Leistung schmälern zu wollen, muss es da wohl aber noch einen weiteren Faktor gegeben haben. Einen Hinweis darauf gab die Nachrichtenlage vom Grat des Hamperokken schon am Wettkampftag: Maite Mayora, später als vierte Frau im Ziel und eine der weltbesten Frauen in dieser Sportart, sei abgerutscht und gestürzt, habe sich gerade noch so am Grat halten können. Eine eindeutige Sprache: Auch die Eliteläufer hatten schwer mit dem nassen Fels zu kämpfen. – Weniger besagter Jonathan Albon:

„Whilst competing in Tromsø Skyrace there was an incredible amount of running on wet boulders and rocky mountainside. The grip of the VJs gave me the ability me to outrun my competition, including the Ultra Skyracing World Champion, to take the win over the 44km course with 4400m of elevation gain.“

…und er machte kein Geheimnis daraus, was ihm den entscheidenden Vorteil verschaffte: seine Schuhe.
Aber VJs? – Noch nie etwas davon gehört! Zurück in der Heimat machte ich mich dann schlau und konnte nicht widerstehen…
Anders als Jonathan Albon entschied ich mich aber nicht für das Modell Irock, sondern für den Sarva Amas und somit für eine geringere Sprengung von gerade einmal 4 mm (zum Vergleich 6 mm) sowie weniger stark ausgeprägte Stollen.

Der neue VJ Sarva Amas 2

Der neue VJ Sarva Amas 2

Hinsichtlich des entscheidenden Materials der Außensohle macht das keinen Unterschied: Butylkautschuk. Der Hersteller der VJs schreibt dazu:

„Revolutionary grip without studs! In VJ’s studless shoe, Irock, the outsole material is made of butyl rubber. According tests made by our test runners, the grip is the best you can have without metal studs.“

Fersenbereich der Außensohle des VJ Sarva Amas 2

Fersenbereich der Außensohle des VJ Sarva Amas 2

…und das ist nicht übertrieben! Alle noch so umworbenen und hochpreisigen Trail-Schuhe von Salomon und Inov-8 sind in Sachen Grip auf nassem Untergrund, vor allem auf Fels chancenlos. Auch die teilweise vereisten Auf- und Abstiege an der heimischen Milseburg in diesem Winter meisterte der VJ Sarva Amas tadellos. Die Butylkautschukmischung und das Sohlenprofil leisten erstklassige Arbeit. – Kleine Anmerkung nebenbei, wenn auch hoch spekulativ: Es ist doch sehr auffällig, dass die Außensohlen der Schuhe der Salomon-Profis stets eine andere Zusammensetzung und Farbe zu haben scheinen als die der für den Handel bestimmten Modelle.
Glücklicherweise scheint sich die spezielle Außensohle in puncto Verschleiß nicht negativ bemerkbar zu machen. Kritischer ist hier schon eher das Obermaterial, dass jenseits der Zehen- und Fersenkappe anfälliger zu sein scheint, auch wenn ich nach etwa 300 Kilometern bei meinen Sarva Amas 1 noch keine Einrisse oder gar Löcher feststellen kann.

Rückansicht mit Fersenkappe des VJ Sarva Amas 2

Rückansicht mit Fersenkappe des VJ Sarva Amas 2

Realistisch betrachtet dürfte der leichte Wettkampfschuh sicher die doppelte Distanz verkraften. Dies ergäbe dann in Anbetracht des Verkaufspreises von unter 120€ ein durchaus faires Preis-Leistungs-Verhältnis für einen derart speziellen Schuh. Anzumerken wäre jedoch, dass das neue Modell, Sarva Amas 2, etwas Obermaterial und somit auch Gewicht gegenüber dem Vorgänger einspart, daher insbesondere die Zehenkappe weniger robust wirkt. Das ist für den in meinem Fall angedachten Verwendungszweck, den Einsatz etwa bei Vertikalen Kilometern, nicht weiter problematisch bzw. aufgrund des „Abspeckprogramms“ sogar positiv zu bewerten, dürfte die Lebensdauer auf etwas ruppigeren Trails jedoch verkürzen. Schutz bietet die Kappe jedoch weiterhin ausreichend – auch wenn mir die Zehenkappe der ersten Auflage eher zusagte, gerade in Anbetracht meiner persönlichen Vorbelastung in Sachen „Zeh“.

VJ_Sarva_Amas_2-8

Zehenkappe des VJ Sarva Amas 2 (oben), VJ Sarva Amas 1 (unten)

Zehenkappe des VJ Sarva Amas 2 (oben), VJ Sarva Amas 1 (unten)

Mit dem VJ Sarva Amas habe ich den perfekten Begleiter für steile, rutschige Trails und somit auch für den Blåmann Vertical in Tromsø am 5. August gefunden. Im vergangenen Spätsommer hat er sich bereits bei meinem Lauf von Antholz Mittertal auf das Fernerköpfl mit 2001 Höhenmetern am Stück und etwas Kraxelei in einer Höhe von über 3000 m ü.NN bewährt. Ebenso überzeugend und als echtes Arbeitstier präsentierte sich der VJ Sarva Amas im vergangenen Winter bei Schnee und Eis in der heimischen Rhön.

Der VJ Sarva Amas: Eine bislang wenig beachtete Option für alle, die steiles und technisch anspruchsvolles Gelände unter ihren Füßen mögen und einen verlässlichen Begleiter auch für widrigste Bedingungen suchen!

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