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It’s been a while… – Welcome back to Tromsø!

3. August 2016, 12:00 Uhr: Abflug von Frankfurt via Oslo nach Tromsø. – Endlich! Dieses Mal fieberte ich wirklich sehr auf die Reise in den hohen Norden hin. Schließlich war der Blåmann Vertical – eine von sieben Stationen der Skyrunner World Vertical Series – mein einziger „A-Wettkampf“ in diesem Jahr. Zeit für eine angemessene Vorbereitung gab es nur wenig, denn der Weg zur Zweiten Staatsprüfung Ende diesen Jahres und damit verbunden alles rund um mein „erstes Schuljahr“ forderte meine ganze Aufmerksamkeit.

Dafür trainierte ich umso effizienter: Qualität vor Quantität, Höhenmeter vor reiner Kilometerlaufleistung. Während ich im ersten Halbjahr bis Ende Januar häufig nur Zeit für drei oder vier Trainingseinheiten pro Woche fand, waren es von Februar an immerhin fünf bis sechs. – Zwar gemessen am Wettkampfniveau der World Series weiterhin viel zu wenig, um ganz nach vorn laufen zu können, aber dafür ohne nennenswerte Ausfälle und Wehwehchen.

Der Hafen von Tromsø mit der Eismeerkathedrale (norw. Ishavskatedralen) im Hintergrund

Der Hafen von Tromsø mit der Eismeerkathedrale (norw. Ishavskatedralen) im Hintergrund

In Tromsø gelandet war ich in diesem Jahr (> Rückblick <) voller Optimismus und motiviert von den Zehenspitzen bis unter die Schädeldecke. Dennoch musste ich mich nun noch einen Tag lang einbremsen, wanderte daher anstatt zu laufen und nutze den freien Tag vor dem Vertical, der traditionell freitags gelaufen wird, um ein paar Fotos zu knipsen:

Tromsø-Brücke (norw. Tromsøbrua) über den Tromsøysund

Tromsø-Brücke (norw. Tromsøbrua) über den Tromsøysund

Zeit für ein Selfie vor dem wolkenverhangenen Tromsdalstinden – in umgekehrter Richtung begann hier am Samstag das Abenteuer für die Teilnehmer am Extreme Skyrace

Zeit für ein Selfie vor dem wolkenverhangenen Tromsdalstinden – in umgekehrter Richtung begann hier am Samstag das Abenteuer für die Teilnehmer am Extreme Skyrace

Blick über Tromsøya nach Kvaløya mit den Gipfeln entlang des Ersfjords – ganz rechts in den Wolken der Blåmann (1044 m ü.NN)

Blick über Tromsøya nach Kvaløya mit den Gipfeln entlang des Ersfjords – ganz rechts in den Wolken der Blåmann (1044 m ü.NN)

Am Wettkampftag wachte ich dann mit leichten Rückenschmerzen auf. Das Bett war ungewohnt weich, das viele Sitzen vom Mittwoch auf der Hinreise steckte auch noch in den Knochen. Mittags fühlte ich mich aber zum Glück wieder etwas besser – zwar nicht überragend, aber doch wieder einigermaßen „normal“.
Mit dem Bus ging es dann zum Startbereich am Fuße des Blåmann, also unmittelbar auf Meereshöhe. Warmmachen, ab in den „Wettkampftunnel“. Jetzt war es endlich so weit: 2,7 Kilometer und 1044 Hm inklusive Kraxelei!

Höhenprofil Blåmann Vertical (Quelle: skyrunnerworldseries.com)

Höhenprofil Blåmann Vertical (Quelle: skyrunnerworldseries.com)

Die ersten 500 Hm konnte ich noch in unter 20 Minuten zurücklegen, dann wurden die Felsen größer, meine Beine schwerer. Das alte Problem: viel Luft, aber eine müde Muskulatur. Letztere brannte dann ganz ordentlich, als ich etwa 200 Hm unterhalb des Gipfels bemerkte, dass mir Hilde Aders, Emelie Forsberg und Ingvild Kaspersen unmittelbar im Nacken saßen. Die drei Mädels pushten sich gegenseitig und ich musste knautschen. Auf den letzten 50 Höhenmetern konnte ich mich dann aber doch noch einmal lösen und ins Ziel „spurten“.

Mit meinem Resultat, Rang 12 in 44:43 min, bin ich insgesamt zufrieden. Das Rennen war in der Breite etwa eineinhalb Minuten langsamer als im vergangenen Jahr (> Ergebnisse <). Darauf basierend prognostizierte ich vor meiner Abreise: „Wenn es richtig gut läuft: Top 10 und unter 40:00 Minuten (+ 1:30); wenn es durchschnittlich/“erwartbar“ läuft: Top 15 und unter 43:00 Minuten (+ 1:30)“. Insofern lag ich noch im Soll und die Position ging auch in Ordnung – immerhin waren der Weltmeister und der aktuell Weltcup-Führende am Start.

Über den Wolken und immer steiler: Dag-Henry Nilsen im Vordergrund und ich im roten Shirt im Bildmittelgrund (Quelle: iancorless.com)

Über den Wolken und immer steiler: Dag-Henry Nilsen im Vordergrund und ich im roten Shirt im Bildmittelgrund (Quelle: iancorless.com)

Rang M/F Name Nationalität Zeit (min)
1 1 Stian Angermund-Vik NOR 37:00
2 2 Ferran Teixido AND 37:31
3 3 David Thibaud FRA 39:50
4 4 Tobias Geiser ITA 40:21
5 5 Sven-Are Paulsen NOR 41:20
6 6 Rolf Einar Jensen NOR 41:43
7 7 Jan Ferdinand Polasek CZE 42:39
8 8 Amund Kristiansen NOR 43:36
9 9 Dag-Henry Nilsen NOR 43:40
10 10 Hallvard Schjølberg NOR 44:17
11 11 Wolfgang Hochholzer GER 44:34
12 12 Dominik Briselat GER 44:43
13 13 David Holmberg SWE 44:45
14 1 Emelie Forsberg SWE 44:49
15 2 Hilde Aders NOR 44:49
16 3 Yngvild Kaspersen NOR 44:56
17 14 Alex Pilcher GBR 45:47
18 15 Edvard Vea Iversen NOR 47:03
19 16 Adam Simek CZE 47:04
20 4 Laura Orgue ESP 47:34

Neben der reinen Leistung gibt es aber glücklicherweise auch meist noch einiges von dem zu erzählen, war drumherum geschieht. In diesem Fall war das einerseits ein Wiedersehen mit Jonathan aus den Niederlanden, den ich noch vom letzten Jahr kannte und andererseits das Kennenlernen von Dag-Henry Nilsen und dem Sieger Stirn Angermund-Vik beim gemeinsamen Abstieg vom Blåmann und der Rückfahrt im Bus. So erfuhr ich einiges Interessantes über die norwegische Berglaufszene und die (sportlichen) Lebensläufe der beiden. Besonders beeindruckend: Stians Eifer und Fleiß, mit dem er sich in nur drei Jahren vom zwar guten, aber unauffälligen Bergläufer in die Weltspitze trainierte. …und die Bodenständigkeit und Nahbarkeit, die er sich bewahrt hat, aber allzu typisch ist für die Protagonisten dieser Spielart des Laufsports.

Am Samstag konnte ich nun völlig entspannt auf meine eigene Tour entlang der Wettkampfstrecke des Tromsdalstind und des Hamperokken Skyrace gehen. Kamera in den Rücksack, Windjacke und Mütze verstaut und ab dafür!
Wie die Teilnehmer startete ich auf Tromsøya vor dem Hotel „The Edge“ am Hafen und lief hoch zum Gipfel des Tromsdalstinden (1238 m ü.NN). Hätte ich vorab erahnen können, dass ich dort mit erstaunlich guten Beinen nach nur einer Stunde und 32 Minuten und somit etwa eine viertel Stunde schneller als die Teilnehmer des Tromsdalstinden Skyrace ankommen würde, hätte ich wohl doch gemeldet. Aber egal: Ich hatte Spaß, konnte am Gipfel mit den Streckenposten und Sanitätern plaudern und äußerst modisch beim Warten auf die Läufer in eine violette Daunenjacke und einen blauen Schlafsack als Zudecke schlüpfen. Wenn es so kalt und unwirklich ist wie dort oben im dichten Nebel, spielt die Optik eine eher untergeordnete Rolle.

Dann tauchten endliche die ersten Läufer im Nebel auf. Ich beschloss, nach und nach mit ihnen in Richtigung Tromsø abzusteigen und immer wieder für einige Bilder inne zu halten:

Am Gipfel des Tromsdalstinden

Am Gipfel des Tromsdalstinden

Abstieg im Nebel

Abstieg im Nebel

Läufer klein wie Ameisen

Läufer klein wie Ameisen

Ein ganz normaler Wanderweg in Norwegen – mit Aussicht

Ein ganz normaler Wanderweg in Norwegen – mit Aussicht

DAS sind Dimensionen!

DAS sind Dimensionen!

Aus allen Wolken gefallen

Aus allen Wolken gefallen

Tom Owens, der Sieger des Extreme Skyrace, fliegt regelrecht vorbei

Tom Owens, der Sieger des Extreme Skyrace, fliegt regelrecht vorbei

…hinab ins grüne Tal

…hinab ins grüne Tal

…und der Blick zurück

…und der Blick zurück

Auf diese Weise wurde der Tag auch für mich ein langer: 27 Kilometer und 1800 Höhenmeter – ohne Verpflegung, aber auch ohne Probleme. Hang hoch, Hang runter, querfeldein, neue Perspektive, kurzes Gespräch, Anfeuern, Mut machen. Da bekam ich gar nicht mit, wie lang ich unterwegs war. – Das war wohl die Magie des arktischen Norwegens.

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