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Weit mehr als nur Trails: Skyrunning! – Unterwegs mit… (Teil 1)

Kaum war die Wäsche aus Norwegen gewaschen und getrocknet, schon sollte es weiter gehen: nach Südtirol! Mein bereits fünfter Aufenthalt im Antholzer Tal unterschied sich aber maßgeblich von den vier zurückliegenden Besuchen, denn dieses Mal hatte ich mit Anke Friedl und Markus Oster Begleitung „im Gepäck“.

Anke ließ zuletzt durch ihren äußerst gelungenen Auftritt bei der Zugspitz Trailrun Challenge aufhorchen und belegte hier unter anderem am zweiten von drei Wettkampftagen im Rahmen des Berglaufs von Ehrwald zur Sonnalpin auf dem Zugspitzblatt Rang 2 hinter der gewohnt starken Nationalmannschaftsläuferin Tina Fischl.
Markus arbeitet für Brooks im Außendienst und sammelte bereits beim Transalpine Run (TAR) und kürzlich gemeinsam mit Anke als TAR-Streckenscout für die neue 2016-er Route Erfahrung auf den Alpentrails. Was ihn auszeichnet: unbändiger Wille und Biss, auch wenn es mal richtig hart wird. – Und so viel vorweg: Diese Eigenschaften wurden auf der ersten Tour auf den Seekofel hoch über dem Pragser Wildsee richtig nützlich.

Für die erste Tour am vergangenen Samstag ging es also raus aus dem Antholzer Tal zum Randgebiet der Dolomiten. Zudem bekamen wir Zuwachs durch einen Bekannten von Anke, der gerade ebenfalls in Südtirol unterwegs war, allerdings vorrangig Radsport betreibt.
Die geplante Tour war mir bereits vom Vorjahr bekannt: knapp weniger als 20 Kilometer mit 1500 Höhenmetern im Auf- und im Abstieg. Stellenweise helfen Stahlseile und -ketten, heiklere Stellen sicher zu meistern. Es ist eben schon mehr als Trailrunning, es ist Skyrunning! Ein Gipfelerlebnis und große Höhen gehören irgendwie dazu und damit verbunden sind zumeist auch Geländewechsel und etwas kniffeligere Stellen, bei denen man auch mal zulangen muss. Wir starteten allerdings auf 1500 m ü.NN und so galt es zunächst, die leichteren Höhenmeter zu absolvieren.

Alles noch so schön grün hier!

Alles noch so schön grün hier!

…und langsam wird es immer steiniger.

…und langsam wurde es immer steiniger.

In Serpentinen ging es immer steiler hinauf zum Hochplateau.

In Serpentinen ging es immer steiler hinauf zum Hochplateau.

Die Sonne knallte derweil von oben auf uns herab.

Die Sonne knallte derweil von oben auf uns herab.

Zu diesem Zeitpunkt wurde schon klar, dass Markus keinen allzu guten Tag erwischt hatte: Während Anke munter vorn die Pace machte, folgte er mit großem Abstand und sichtbar die Zähne zusammenbeißend. Augen für die schroffe Bergwelt und die hinter uns auftauchenden und teils Schnee bedeckten Gipfel der Rieserferner Ahrn – „unseren“ Hausbergen direkt hinter der Unterkunft – hatte er da bereits nicht mehr.

Anke stürmte dem blauen Himmel entgegen.

Anke stürmte dem blauen Himmel entgegen.

…während Markus voll fokussiert um jeden Meter kämpfte.

…während Markus voll fokussiert um jeden Meter kämpfte.

Endlich oben! – Zumindest vorerst…

Endlich oben! – Zumindest vorerst…

In einer Höhe von ca. 2400 m ü.NN wurden die Wege nun vorerst leichter. Vor uns und in der Ferne die Riesen unter den Dolomitengipfeln – Urlaub zumindest für die Augen.

Anke auf dem Weg in Richtung Rifugio Biella

Anke auf dem Weg in Richtung Rifugio Biella

An der Hütte angelangt füllten Anke und Markus ihre Trinkblasen mit Wasser auf, bevor es nun weiter zum anspruchsvollsten Abschnitt der Tour gehen sollte, nämlich hinauf zum Seekofel. Steil, bröseliges Gestein, ein paar Ketten zur Sicherung. Ich komme mittlerweile sehr gut mit solchem Terrain zurecht, benötige die „Kraxelhilfen“ kaum bis gar nicht und hatte somit ausgiebig Zeit, um weiterhin zu fotografieren.

Ordentlich steil! …und von der Hütte bis zum Gipfel weitere 450 überwindende Höhenmeter

Ordentlich steil! …und von der Hütte bis zum Gipfel weitere 450 zu überwindende Höhenmeter

Anke, nicht ganz schwindelfrei, derweil am steilsten Stück konzentriert im Tunnel

Anke, nicht ganz schwindelfrei, derweil am steilsten Stück konzentriert im Tunnel

Und Markus kämpfte weiterhin gegen den inneren Schweinehund.

Und Markus kämpfte weiterhin gegen den inneren Schweinehund.

Irgendwann flachte der Seekofel dann aber wieder ab und die Blicke schweiften in die Ferne: Drei Zinnen, Sellastock mit Piz Boe und Marmolada – alle zu sehen! Und noch etwas war nun zu erkennen: Das Gipfelkreuz des Seekofels.

Anke vor den Drei Zinnen in der Ferne

Anke vor den Drei Zinnen in der Ferne

Markus mobilisierte nun noch einmal alle Kräfte und stürmte regelrecht, das Ziel so kurz vor Augen, los. Dann war es geschafft: Seekofel, 2810 m ü.NN. Zeit für ein paar Minuten der Ruhe mit dem berauschenden Tiefblick auf den Pragser Wildsee und der Erholung für den folgenden Abstieg.

Markus völlig ausgelaugt am Gipfel – Von meiner Anwesenheit direkt über ihm bekam er nichts mehr mit.

Markus völlig ausgelaugt am Gipfel – Von meiner Anwesenheit direkt über ihm bekam er nichts mehr mit.

„Es gibt Tage, da bekommt man echte Brocken auf den (Trail)Weg gelegt, flucht, verzweifelt, stellt sich tausende Fragen und versucht trotzdem den Weg zu bezwingen…
Letzten Samstag war so ein Tag…körperliche und psychische Grenze am Seekofel in Südtirol: Gut sich durchgebissen zu haben und dann im Downhill alles wieder rausgeholt zu haben. Danke an Dominik Briselat für das Festhalten des Moments völliger Erschöpfung!“ – Markus

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