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Weit mehr als nur Trails: Skyrunning! – Unterwegs mit… (Teil 2)

Ein neuer Tag, eine neue Runde: Während sich Markus nach seinem Kraftakt vom Vortag einen verdienten Ruhetag gönnte und das Mountainbike statt seiner Beine bemühte, machte ich mich mit Anke ausgehend vom Biathlonstadion am Antholzer See hinauf zu den letzten Resten des Patscher Kees am Fuße der NO-Seite des mächtigen Hochgalls (3436 m ü.NN).

Der Weg hinauf zur Riepenscharte (2738 m ü.NN) war mir von meinem Aufenthalt vor wenigen Wochen noch sehr präsent:

3D-Ansicht des Aufstiegshangs zur Riepenscharte (Quelle: Interaktive Karte, bergwelten.com)

3D-Ansicht des Aufstiegshangs zur Riepenscharte (Quelle: Interaktive Karte, bergwelten.com)

Ganz schön steil, aber flott unterwegs: Nach einer Stunde und fünfzehn Minuten waren die 1100 Höhenmeter hinauf zur Riepenscharte

Ganz schön steil, aber flott unterwegs: Nach einer Stunde und fünfzehn Minuten waren die 1100 Höhenmeter hinauf zur Riepenscharte „abgehakt“.

Was danach kam, war dann aber auch für mich Neuland, denn das Verbindungsstück zwischen Riepen- und Jägerscharte via Barmer Hütte auf der österreichischen Seite bin ich noch nicht gelaufen. Nach dem Fernblick auf den Großglockner von einer Anhöhe neben der Riepenscharte ging es nun über ein kleines Schneefeld und ein Meer aus Felsbrocken direkt unterhalb der Flanken von Hochgall und Barmer Spitze hinüber zur Barmer Hütte (2610 m ü.NN). – Nicht ganz einfach zu laufen, aber mit dem Blick auf Rosshorn (3068 m ü.NN) und Lenkstein (3236 m ü.NN) und immer wieder kleine Schmelzwasserbäche querend absolut lohnenswert!

Unmittelbar nach der Riepenscharte – Willkommen in Österreich!

Unmittelbar nach der Riepenscharte – Willkommen in Österreich!

Herrlich, aber auch sehr einsam gelegen: die Barmer Hütte

Herrlich, aber auch sehr einsam gelegen: die Barmer Hütte

Rosshorn und Lenkstein voraus – unser Weg führte allerdings rechts hinab zu einem kleinen Schmelzwassersee.

Rosshorn und Lenkstein voraus – unser Weg führte allerdings rechts hinab zu einem kleinen Schmelzwassersee.

Die Barmer Hütte voraus!

Die Barmer Hütte voraus!

An der Hütte war dann erwartungsgemäß wenig los. Aber das Wichtigste – jedenfalls für mich – war vorhanden: ein Hund! Und der brachte auch gleich in seinem Maul „ein Geschenk“ vorbei, nämlich einen Stein. Äste und Stöcke gibt es hier oben schließlich keines aufgrund mangelnder Vegetation. Not macht eben erfinderisch.

Von der Hütte ging es nun zunächst über große Felsen, dann über einen verblockten Pfad zunächst leicht abfallend, dann wieder ansteigend quer hinüber zur Jägerscharte. Die letzten Meter waren dann geprägt durch einige Schneefelder und Schmelzwasserabflüsse, kurz: den Rest eines vor einigen Jahren noch großen Gletschers. Der Klimawandel ließ grüßen.

„Less cloud. More sky.“ – Das Motto der Skyrunner World Series traf auch auf unseren Lauf bzw. diesen kleinen Schmelzwassersee zu, in dem sich der Himmel spiegelte.

An der Jägerscharte (2875 m ü.NN) angelangt beschlossen Anke und ich, noch das Almerhorn (2986 m ü.NN) anzugehen. Die kaum mehr als 100 Hm waren dann mit etwas Kraxelei schnell überwunden und der Gipfel belohnte uns mit einem gigantischen Panorama. …und einem kleinen Stempel, dessen Abdruck zumindest bis zur nächsten Dusche einen Platz auf unseren Waden fand und somit als Nachweis gegenüber Markus diente, dass wir wirklich dort oben waren.

…

Aufstieg von der Jägerscharte zum Almerhorn

Blick zurück vom Almerhorn auf den König der Rieserferner Ahrn, den Hochgall

Blick zurück vom Almerhorn auf den König der Rieserferner Ahrn, den Hochgall

Der Abstieg war dann insbesondere für meine nicht ganz schwindelfreie Begleiterin anspruchsvoll, denn das Stück hinab von der Jägerscharte glänzte mit Steilheit und einem Mix aus großen Felsblöcken und feinem, bröseligen Gestein. Und einem Stahlseil, dass man offensichtlich vor einiger Zeit zusammen mit einigen Bohrhaken dort oben deponierte, aber nie installierte… Wir meisterten diese Stelle dennoch und stürzten uns nun hinab zum Obersee am Staller Sattel (2050 m ü.NN), dem Übergang von Österreich nach Italien und schließlich zum weitere 400 Höhenmeter tiefer liegenden Antholzer See, unserem Ausgangspunkt. Hier hatte Anke besonders viel Spaß, da die Wege wieder leichter zu laufen waren und man die Beine im Downhill einfach „rollen“ lassen konnte. Eine willkommene Belohnung nach den vorangegangenen, anspruchsvollen Kilometern zwischen 2600 und fast 3000 Metern über dem Meeresspiegel – eben Skyrunning!

Kurz nach der ungesicherten Schlüsselstelle des Abstiegs von der Jägerscharte wurde es dann wieder deutlich laufbarer.

Kurz nach der ungesicherten Schlüsselstelle des Abstiegs von der Jägerscharte wurde es dann wieder deutlich laufbarer.

Dennoch: volle Konzentration auf dem Weg hinab zum Obersee am Staller Sattel!

Dennoch: volle Konzentration auf dem Weg hinab zum Obersee am Staller Sattel!

Anschließend folgte noch eine halbe Seerunde und dann ein kurzer – bei Anke sogar ein sehr kurzer – Drink auf der „Alm“ am Biathlonstadion. Nun hatten wir uns ein wenig Erholung verdient. Zumindest bis zum nächsten Tag, der uns auf den im Vergleich zu den beiden Wochenendzielen niedrigen, aber dennoch immer wieder beeindruckenden „Aussichtsgipfel“ Rammelstein (2483 m ü.NN) führen sollte. Ein wenig einfache Kraxelei durfte natürlich auch hier wieder nicht fehlen.

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